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München – Der unvorhersehbare Volumenabtausch zwischen Diesel- und Benzinmotoren, monopolistische Lieferantenmärkte in Schlüsseltechnologien, unsichere politische Rahmenbedingungen in Zeiten von z.B. dem „Brexit“ und dem „Zollstreit“ mit den USA, sowie andere, exogen hervorgerufene Bedarfsschocks – betrachtet man aktuell die Nachrichten, lässt sich Eines sehr schnell ableiten: Die verbleibende Zeit zur (Nach-) Industrialisierung wird für die Hersteller und deren Lieferanten immer kürzer.

Die Situation des Einkaufs

Durch fest terminierte Produktanläufe von neuen bzw. überarbeiteten Produkten und späten Produktkonzepten/ -Änderungen aus den Entwicklungsabteilungen, ist der Einkauf von Industrieunternehmen in einer immer angespannteren „Sandwich“-Position zwischen Produktion und Entwicklung.

Die Elektromobilität nimmt zu

Disruptive Ereignisse in der gesamten Automobilindustrie, insbesondere der Dieselskandal und die damit verbundene sinkende Nachfrage für alle Hersteller nach Dieselmotoren, zwingen die OEMs Schritt für Schritt zu einer neuen Ausrichtung auf die Elektromobilität. Der Volkswagenkonzern hat bereits angekündigt, bis 2028 insgesamt 70 neue E-Modelle auf den Markt zu bringen. Eine wichtige Rolle, um dieses Ziel zu erreichen, spielen die Industrialisierung von neuen Technologien (Elektromotoren, Batteriespeicher, etc.), die Sicherstellung einer robusten Lieferkette und die Einhaltung von neuen Richtlinien und Gesetzen.

Der Lieferant selbst ist nur ein Teil der Risikofaktoren

Durch stetig wachsende Komplexität von Lieferketten ist eine präventive Steuerung und Integration dieser unabdingbar – von der Sicherstellung der Transparenz von Bauteiländerungen über die kontinuierlichen Bedarfsprognosen und die dazugehörige Kapazitätsabsicherung bis hin zu Serienprozess- und Produktfreigaben bei den Lieferanten vor Ort.

Grundlage der präventiven Steuerung ist die Sicherstellung der Transparenz über Bauteiländerungen aus der Entwicklung. Durch die Bereitstellung von vollständigen Informationen der Komponenten ist der Einkauf in der Lage, die Auswirkungen auf die Lieferketten zu bewerten (Leistbarkeit, Kosten, Dauer) und bei Bedarf gezielte Maßnahmen ein zu leiten.

Eine kontinuierliche Bedarfsvorschau entlang der Lieferketten ermöglicht, dass sich die Lieferanten frühzeitig auf Bedarfs- und Technikänderungen vorbereiten können. Nur durch die frühestmögliche Kommunikation der Bedarfe (Teilequantität, Bedarfszeitraum und Bedarfsort) wird es den Einkaufsabteilungen ermöglicht, die Risiken der Lieferketten effektiv zu steuern (z.B. Lieferantenabhängigkeiten etc.). Essentiell hierfür ist ein robustes und nachhaltiges Datenmanagement entlang der gesamten Lieferkette.

Die Aufgabe der Hersteller

Zusätzlich ist die direkte Sicherung der Kapazität bei den Lieferanten ein weiterer zentraler Bestandteil zur proaktiven Vermeidung von Risikofaktoren. Durch neue Technologien und hohe Investitionskosten entstehen darüber hinaus vermehrt monopolistische bzw. duopolistische Lieferantenmärkte (Batteriezellen, Katalytikhersteller). Daher ist es für die Hersteller unerlässlich, kritische Bauteilumfänge so früh wie möglich zu identifizieren, um eine vernetzte Lieferkette inkl. abgesicherter Kapazitäten zu gewährleisten. Auf Lieferantenmärkten gilt mehr denn je: First come, first serve.

Durch die frühzeitige Anwendung des KBC-Ansatzes für präventives Management von Lieferketten, war es einem Premium-OEM möglich, die Auswirkungen und Folgen im Vergleich zur Konkurrenz des neuen Prüfzyklus WLTP und -verfahren RDE deutlich zu verringern, Bedarfe und Kapazitäten abzusichern und so Umsatzeinbrüche zu verhindern. Der Hersteller konnte alle geplanten Fahrzeuge mit der neuen Technik produzieren.

KBC Präventives Management von Lieferketten