Interview mit Till Krafft – Warum KBC auf der Pirsch ist

Frage: Till, bei KBC bist Du Manager, in Deiner Freizeit als Jäger „auf der Pirsch“. Wie passt das zusammen und wo kommt überhaupt der Begriff her?

Antwort: Tatsächlich verbindet diese beiden Bereiche mehr, als man zunächst glauben mag. Kern unserer Tätigkeit bei KBC sowie der Jagd ist es, eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Einerseits beruflich, in den Projekten, die wir gemeinsam mit unseren Kunden machen und in denen es häufig darum geht, Strukturen und Prozesse so neu auszurichten, dass diese eine nachhaltige Veränderung und eine Verbesserung erzielen. Andererseits bei der Jagd, wo durch eine konsequente Bejagung des Wildes sichergestellt wird, dass sich der Wald auf natürliche Art von selbst regenerieren kann und gezielte Pflanzungen, ohne Schutzzäune vor dem Wild, wachsen können.

Der Begriff „Pirsch“ bedeutet, sich ruhig und lautlos dem Wild zu nähern. Auch hier gibt es Parallelen zwischen der Jagd und der Tätigkeit bei KBC. So funktioniert beides nur, wenn ich auf meine Tätigkeit (Pirsch oder Projekt) fokussiert bin und alles um mich herum sowie das angestrebte Ziel stets im Auge behalte.

Frage: Die Ausbildung zum Jäger ist eine sehr anspruchsvolle. Seit wann hast du Deinen Jagdschein und wie kam es überhaupt dazu?

Antwort: Mein Vater ist Jäger und so bin ich bereits als Kind fast jedes Wochenende mit ihm gemeinsam jagen gegangen und habe sehr früh die Zusammenhänge zwischen der Jagd und der Umwelt kennengelernt. Den Jagdschein habe ich so früh es ging, mit 16 Jahren gemacht.

Frage: Das Thema Nachhaltigkeit nimmt derzeit einen großen Stellenwert in unser aller Alltag ein. Bei KBC ist das Thema sogar Bestandteil der Unternehmensstrategie. Klär uns mal auf, welche Rolle spielen Jäger, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit in unseren Wäldern geht?

Antwort: Die Themen Jagd, Nachhaltigkeit und Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden. Wie bereits beschrieben, ist die Aufgabe der Jagd aus meiner Sicht heute mehr denn je dafür zu sorgen, dass der Wildbestand auf ein Maß reduziert wird, welches es dem Wald mit all seinen Funktionen und unter Beachtung der Anpassung an klimatische Veränderungen ermöglicht, sich nachhaltig zu regenerieren. Die Funktionen des Waldes tragen maßgeblich zum Klimaschutz bei, u.a. durch Bindung von CO2 im Holz, Bereitstellung und Filterung von Trinkwasser, Schutz vor Lärm und Immissionen in Städten sowie durch Schutz vor Lawinen und Steinschlag in den Bergen.

Der erst seit kurzer Zeit in den Medien präsente Begriff des Klimawandels ist in der Forstwirtschaft bereits seit einigen Jahren bittere Realität. Spürbar durch Stürme und Starkregen sowie durch warme Winter und Dürreperioden im Sommer. Das Resultat dieser Ereignisse ist, dass sich Teile der heimischen Baumarten wie die Fichte, Buche, Esche etc. nicht mehr gegen Schädlinge wehren können und großflächig absterben. Mit Blick auf mein eigenes Revier, welches ich im Münchner Umland bejage muss ich feststellen, dass sich diese Fläche in den vergangenen Jahren massiv verändert hat. Beispielsweise ist ein Großteil der dort seit Jahrhunderten vorhandenen Fichten aufgrund von Trockenheit und dem damit einhergehendem Borkenkäfer-Befall schlichtweg abgestorben. Schaut man etwas weiter nördlich, bspw. nach Mittelfranken, dann findet man dort seit kurzer Zeit in einigen Regionen ein Buchensterben vor, welches durch Trockenheit bzw. klimatische Veränderungen begünstigt wird.

Kurz gesagt: Der Wald und die Natur befinden sich in einer massiven Phase der Veränderung, welche meiner Meinung nach nicht mehr umkehrbar ist. Wir müssen weg von einseitigen, anfälligen Monokulturen hin zu artenreichen Mischwäldern, die robust genug sind, sich den Klimaveränderungen entgegen zu stellen (fällt eine Baumart aus, ist eine andere da, die den Platz einnimmt). Leben zu viele Rehe und Hirsche im Wald, beschädigen diese die jungen, nachwachsenden Bäume durch Verbiss, so dass der Waldumbau hin zu einem artenreichen, widerstandsfähigen Mischwald nicht funktionieren kann.

Für mich ist die konsequente Bejagung mehr denn je eine Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft ein nachhaltiges und intaktes Ökosystem vorfinden können, welches es uns ermöglicht hier zu leben.

Frage: Was bedeutet „konsequente Bejagung“ für Dich?

Antwort: Damit meine ich, dass sich die Jagd am Wald(um)bau orientieren sollte und nicht, wie es von vielen Jägern gewünscht wird, möglichst viel Wild und starke Trophäen (Geweihe) in den Wäldern heranzuzüchten. Auch dem Wild kommt eine intensive Bejagung zugute. Durch die Bestandsreduktion von Rehen und Hirschen wächst der Wald, so dass das Wild viele Möglichkeiten hat, sich darin zu verstecken und ungestört zu leben. Das wiederum erschwert die Jagd erheblich und so ist es ein ständiges Wechselspiel zwischen Wald, Wild und Jagd.

Frage: KBC unterstützt bei der CO2-Kompensation ein Aufforstungsprojekt in den Alpen. Ist es aus Deiner Sicht grundsätzlich gut, sich aktiv um eine Aufforstung unserer Wälder zu bemühen? Was muss dabei beachtet werden?

Antwort: Durch die Unterstützung von KBC in Form von CO2-Kompensationen werden in Bergwäldern Aufforstungen mitfinanziert. Hierbei ist es wichtig, dass vor Ort die richtigen Bäume ausgewählt werden, die auf den jeweiligen Böden wachsen können und mit den gegebenen und zukünftigen Klimabedingungen zurechtkommen. Die Auswahl der richtigen Baumarten wird durch geschultes Forstpersonal und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen. Aber auch hier ist die Voraussetzung, damit aus den kleinen, gepflanzten Setzlingen in einigen hundert Jahren gesunde und robuste Wälder entstehen können, die konsequente Bejagung des Wildes. Gerade in Bergwäldern, da diese im besonderen Maße eine Schutzfunktion für die Menschen übernehmen (z.B. durch Schutz vor Lawinen und Steinschlag).